SINNTAL

Mit EU-Fördermitteln und einem Investor könnte es klappen

Von links: Carsten Ullrich, Thomas Mann, Udo Gärtner, Michael Graf, Robin Krack und Markus Mayer mit dem „Goliath“-Prototypen. - Foto: Bensing & Reith


Montag, 03.08.2020

Nach und nach zeigen sich immer mehr Wege auf, das Energiespeichersystem „Goliath“ zu verwirklichen. Neben neuen Kontakten zu einigen Unternehmen könnte jetzt sogar Brüssel dabei helfen. Zu Besuch bei den beiden Erfindern Udo Gärtner und Robin Krack waren Thomas Mann, ehemaliger Europaabgeordneter der CDU, und Michael Graf vom Kreisverband BVMW Main-Kinzig (Bundesverband mittelständische Wirtschaft). Im Gepäck hatten sie konkrete Vorschläge. 

Es öffnen sich immer mehr Türen für Udo Gärtner und Robin Krack, die beiden Erfinder des Energiespeichersystems „Goliath“. Der „Goliath“ funktioniert ähnlich wie ein Pumpspeicherkraftwerk, allerdings ohne dessen topografische Abhängigkeiten. Er ist frei skalierbar und kann riesige Mengen an Energie beliebig lange speichern und schnell wieder zur Verfügung stellen (siehe Hintergrund „So funktioniert der Goliath“). 

Unlängst war die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Müller zu Besuch. Sie ist bereits bei einigen Ministerien vorstellig geworden, um den „Goliath“ zu präsentieren. Jetzt kamen Thomas Mann, von 1994 bis 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments, und Michael Graf vom Kreisverband BVMW Main-Kinzig nach Sannerz in die Blockhütte, um sich das System genauer anzuschauen. Die Kontakte hergestellt hatte Sinntals Bürgermeister Carsten Ullrich. „Das ist es, womit ich am meisten helfen kann – mit meinem Netzwerk“, betonte Ullrich bei dem Termin. 

Beide Gäste kamen gut vorbereitet: Mann hatte gleich zwei interessante Förderprojekte im Schlepptau, die er den Erfindern nahelegte. Dabei geht es jeweils um die Errichtung einer Pilotanlage in Kooperation mit einem Investor, zum Beispiel einem mittelständischen Wirtschaftsbetrieb. „Den gilt es jetzt zu finden“, betonte Mann. 

Das ist die Stärke von Michael Graf. Er vertritt die Interessen der mittelständischen Firmen in der Main-Kinzig-Region und sagte: „Mir fallen auf Anhieb zwei Unternehmen ein, für die das auch im kleinen Rahmen wirtschaftlich interessant sein kann.“ Er versprach, dort vorstellig zu werden. Er sagte: „Das System ist beeindruckend und kann globale Probleme lösen. Wenn es gelingt, einen Investor von der Wirtschaftlichkeit des Goliaths zu überzeugen, dann steht der Verwirklichung nichts im Weg.“ 

Und Mann versprach, seine Kontakte ins Europaparlament spielen zu lassen: „Ich bin sehr angetan von dem System und der Beharrlichkeit der beiden Erfinder. Ich werde versuchen, einen Termin in Brüssel zu arrangieren, sobald Präsenztermine wieder einfacher möglich sind.“ 

Die beiden Erfinder zeigten sich glücklich über die Angebote aus Politik und Wirtschaft. Robin Krack: „Es freut mich sehr, dass mit Thomas Mann und Michael Graf zwei Vertreter aus Politik und Wirtschaft so gewillt sind, uns zu unterstützen und den ambitionierten Klimazielen in Europa auch Taten folgen zu lassen.“ Und Udo Gärtner sagte abschließend: „Wir sind für alle Türen, die uns gezeigt werden, dankbar. Und wir versuchen, an jeder einzelnen davon anzuklopfen.“ 

So funktioniert Goliath: 

Goliath basiert wie 99 Prozent der weltweiten Stromspeicher auf dem Prinzip eines Pumpspeicherkraftwerks und hat einen Wirkungsgrad von 75 bis 80 Prozent. Goliath ist dabei allerdings — im Gegensatz zu sämtlichen anderen Pumpspeicherkraftwerken — nicht auf topografische Gegebenheiten angewiesen.  

Goliath funktioniert wie folgt: Zu speichernder Strom wird durch eine Pumpe in die potenzielle Energie des Wassers umgewandelt. Dabei wird Wasser in die Höhe befördert und von oben in einen Zylinder gepumpt. Der hydraulische Druck des Wassers zusammen mit dessen Gewichtskraft drückt den Kolben im Zylinder entgegen seiner Auftriebskraft in das untere Wasserreservoir. 

Hierbei halten sich die Gewichtskraft des Wassers und die Auftriebskraft des Kolbens zu jedem Zeitpunkt die Waage, sodass jeder Ladezustand von 0 bis 100 Prozent erzielt werden kann. Dieser Speicherzustand kann durch das Gleichgewicht so lange beibehalten werden, bis wieder Bedarf an der eingespeicherten Energie besteht.  

In diesem Fall wird die Energie mithilfe der Turbine bedarfsgerecht in Strom umgewandelt. Dazu wird der Zugang zur Turbine freigegeben. Das in die Tiefe rauschende Wasser gibt seine Energie an der Turbine wieder in Form von Strom ab. 

Durch das entweichende Wasser reduziert sich die Gewichtskraft, die auf den Auftriebskolben wirkt, wodurch dieser wieder emporsteigt und dafür sorgt, dass sich das System wieder komplett entleeren kann. Dieser Prozess kann zu jedem Zeitpunkt gestoppt werden. (PM) +++

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