Vom Glück: Warum Zufriedenheit wichtiger ist als Gesundheit
Sonntag, 23.10.2022
von ANDREAS WEBER
HANAU - Das Wort Glück hat im Moment Hochkonjunktur: Auf unzähligen Büchern, Ratgebern, Publikationen und Geschenkbändchen. Ja, alle Menschen wollen glücklich sein, wollen, dass ihr Leben gelingt. Momente, in denen man spürt, dass das Leben einen Sinn hat, dass Leben schön ist.
Glück hat oft mit Gemeinschaft zu tun. Die glücklichsten Momente erlebt der Mensch dann, wenn er sich vollkommen angenommen weiß. Aber auch allein ist es zu finden, im Hobby, in der Natur, mit Musik und Literatur, in der Versenkung in die Wirklichkeit Gottes, im Gebet.
Glück findet man letztlich nicht beim ständigen Suchen. Glück ist nicht planbar oder käuflich. Es wird einfach dazugegeben. Es stellt sich einfach ein. Manchmal. Als Zugabe. Äußere Bedingungen und materielle Dinge sind kein Garant für dauerhaftes Wohlbefinden. Das Wort Glück stammt vom mittelhochdeutschen "Gelucke" und meint Gelingen. Glück ist dann nicht einfach ein Ziel, sondern Begleitgefühl: Ein Kind geht nicht zum Sandkasten, um glücklich zu werden oder einen guten Eindruck zu machen oder Anerkennung zu finden. Das Glück wird ihm beim Spiel zweckfrei geschenkt.
Mutter Teresa in Kalkutta war sicherlich eine glückliche Frau, weil sie hingebungsvoll und selbstvergessen lebte. Das Elend um sie herum konnte das nicht zerstören.
Glücksspiele, Glücksbringer (Talismane), Drogen, Scheinversprechen und Geldgewinne bringen kein richtiges Glück. Wer den Hals nicht voll genug bekommt und dem Glück pausenlos nachjagt, wird nie glücklich werden. Perfekt sein wollen, hohe Erwartungen an andere und sich selbst, Zorn und der Blick auf alte Fehler sind richtige Glückskiller.
Die Aussage: "Wohin ich will, weiß ich nicht, Hauptsache, ich komme schnell an!", deutet den großen Glückstöter, die Hektik unserer Tage, an. Ein Sprichwort drückt es anders aus: "Wonach Du jagst, das erreichst Du nie! Was Du wachsen lässt, das fliegt Dir zu!" Innere Ruhe und Gelassenheit stellen sich erst ein, wenn ich gelernt habe, das Unvermeidliche anzunehmen, im Vertrauen auf Gott.
Wenn Sie Freude spüren möchten, machen Sie anderen eine Freude! Wenn Sie inneren Frieden haben möchten, verzeihen Sie immer (auch sich selbst). Wenn Sie glücklich sein wollen, üben Sie Verzicht auf materielle Werte und richten Sie Ihr Leben nicht billig nach den Wünschen anderer Menschen aus. Das höchste Gut auf Erden ist nicht die Gesundheit, sondern die Zufriedenheit; sie ist die Schwester des Glücks. Und zufrieden kann auch der Kranke sein, vorausgesetzt, er lebt mit sich und Gott im Einklang. Glück kann man nicht festhalten. Es ist immer Geschenk: Unverdient und nicht erkaufbar, unerwartet und unverhofft, letztlich ein Gabe, die Gott gibt, meint Pfarrer Andreas Weber.