HANAU

"Erinnerung lebendig halten": Initiative 19. Februar eröffnet Anlaufstelle

Neun Menschen fielen dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar in Hanau zum Opfer. - Fotos: Joana Gibbe


Donnerstag, 07.05.2020
von JOANA GIBBE

„Es gibt die Zeit vor dem Anschlag und die Zeit nach dem Anschlag“, erklärt Newroz Duman von der Initiative 19. Februar Hanau - und „es wird nie wieder wie vorher sein“. Neun Menschen mit Migrationshintergrund verloren bei dem rassistischen Attentat am 19. Februar in der Brüder-Grimm-Stadt ihr Leben. Was bleibt sind Trauer, Ratlosigkeit und Wut bei den Familien und Angehörigen der Opfer. Damit die Betroffenen mit alldem nicht allein sind, hat die Initiative einen Erinnerungsraum geschaffen. 140 Quadratmeter der Solidarität, des Austauschs und der Unterstützung.

Am Dienstag eröffnete die Anlaufstelle gegenüber dem ersten Tatort am Heumarkt. Die Erinnerung an die Opfer soll im gleichnamigen Raum aufrechterhalten werden. „Alle Betroffenen, Unterstützer und Menschen, die helfen wollen“ können zusammenkommen, sich austauschen, informieren, gemeinsam trauern und auch aktiv werden. Denn neben der gemeinsamen Trauer und der Verarbeitung der schrecklichen Tat soll vor allem auch die Aufklärung des Anschlags und die Unterstützung der Betroffenen im Mittelpunkt stehen. Mit Kontakten zu Anwälten, Beratungen und Vermittlung stehen die Ehrenamtlichen der Initiative den Angehörigen zur Seite, um sie sowohl psychisch als auch rechtlich zu unterstützen und sich gemeinsam für eine „lückenlose Aufklärung“ einzusetzen, betont Duman. Ein geschützter Raum, „indem die Menschen auf Augenhöhe miteinander sprechen“, sich von Rassismus Betroffene austauschen können und jeder willkommen ist.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, in denen Ausgangsbeschränkungen und Schutzmaßnahmen unseren Alltag bestimmen, sei ein solcher Ort besonders wichtig, so die Mitinitiatorin. Mit genügend Abstand können zumindest schon einzelne Gespräche stattfinden.

Der Erinnerungsraum ist aber „keine Sache von wenigen Monaten“, sondern ein „wichtiger Raum, den wir versuchen aufrecht zu erhalten und zu pflegen“. Während sich weitere Projektideen und zukünftige Veranstaltungen noch in der Planung befinden, geht das Konzept der gemeinsamen Erinnerung und des Austauschs bereits auf. Als ein „Gefühl von Zuhause“ beschreiben die Angehörigen der Opfer ihren ersten Besuch, berichtet Duran. „Die Namen, die Gesichter, die Menschen. Hier kommt alles zusammen, damit halten wir die Erinnerung lebendig“, erklärt die Mitinitiatorin.

Damit der Erinnerungsraum weiter bestehen kann, hat die unabhängige Initiative über betterplace.org eine bundesweite Spendenkampagne ins Leben gerufen. Ziel des Spendenprojekts „140 qm in Hanau gegen das Vergessen“ sind 90.000 Euro, mit denen die Miete der Anlaufstelle für drei Jahre finanziert werden soll. +++

Auch die Tatorte bilden wichtige Orte der Erinnerung für die Angehörigen.
Auch die Tatorte bilden wichtige Orte der Erinnerung für die Angehörigen.
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