GELNHAUSEN

Veritas AG: Betrieb stabilisiert, Investorensuche gestartet

Foto: Archiv

Freitag, 12.06.2020

Der Betrieb des weltweit agierenden Automobilzulieferers Veritas AG ist fünf Wochen nach Beginn des vorläufigen Insolvenzverfahrens stabilisiert worden: „Wir haben die Materialversorgung sichergestellt und die Insolvenzgeldvorfinanzierung umgesetzt“, berichtet der Automotive-Experte Dr. Jan Markus Plathner von der bundesweit tätigen Kanzlei Brinkmann & Partner. Er ist seit dem 30. April 2020 vom Amtsgericht Hanau bestellter vorläufiger Insolvenzverwalter der Veritas AG. 

Die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit funktioniere sehr gut, komplexe Fragen zur Anwendung der Regeln bei gleichzeitiger Gewährung von Kurzarbeiter- und Insolvenzgeld seien gemeinsam geklärt worden. Ebenso betont Plathner, dass er in ständigem Austausch mit den Kunden ist, die sich sehr für den Erhalt des Unternehmens engagieren.

In einem offenen Gespräch hatten sich auch Landrat  Thorsten Stolz und der Sanierungsexperte über den aktuellen Stand des Insolvenzverfahrens, die Bedeutung der Veritas sowie die Zukunftsperspektiven des Unternehmens ausgetauscht. „Vor allem aufgrund der vielen Arbeitsplätze in Verbindung mit den dahinterstehenden Familien hat die Veritas einen besonderen Stellenwert. Ein solches Unternehmen bedeutet auch immer eine enorme Wertschöpfung für die Region. Ich habe deshalb dem Insolvenzverwalter auch das Signal aus der Region mit auf den Weg gegeben, dass die Politik im Main-Kinzig-Kreis parteiübergreifend hinter dem Traditionsunternehmen und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht", so der Landrat.

Dabei kündigte Stolz an, dass der Main-Kinzig-Kreis im Zuge der Investorensuche auch bei der Beschaffung notwendiger Kredite gegenüber Banken unterstützen werde. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei für den 1. August geplant. 

Die Veritas AG verfügt über Tochtergesellschaften mit eigenen Produktionsstandorten in Gelnhausen und Gießen (Hessen), Neustadt und Polenz (Sachsen) sowie Benshausen (Thüringen). Die Produktion wurde gegenüber April 2020 hochgefahren und zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits aus der Kurzarbeit zurückgeholt. Veritas beschäftigt rund 2.200 Mitarbeitende in Deutschland. Neben den nationalen Tochtergesellschaften bestehen Werke in Bosnien und Herzegowina, Österreich, Ungarn, der Türkei, China und Mexiko. Insgesamt bietet die Veritas Gruppe weltweit 4.400 Arbeitsplätze.

„Wir haben sofort mit der Suche nach Investoren begonnen und es haben sich bereits Interessenten gemeldet, was mich freut“, so Dr. Jan Markus Plathner. Er weist allerdings auch darauf hin, dass die – nicht zuletzt durch Corona ausgelöste – schwierige Situation im Automobilzulieferer-Bereich auch Einschnitte bei der Veritas Gruppe zur Folge haben kann. Gleichwohl zeigt sich der vorläufige Insolvenzverwalter optimistisch: „Ich bin froh, dass trotz dieser schwierigen Situation bei allen Beteiligten, insbesondere der Belegschaft, eine hohe Motivation vorhanden ist, um Veritas neu aufzustellen.“ (pm) +++

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