Impuls von Stefan Buß

Der Stadtpfarrer bei KN: 1200 Jahre St. Michaelskirche in Fulda

Stadtpfarrer Buß aus Fulda - Archivfoto: KN


Samstag, 15.01.2022
von STEFAN BUß

FULDA/MKK - Am 15. Januar 822, also vor genau 1200 Jahren, weihte Erzbischof Haistulph (813-25 Erzbischof von Mainz) die Michaelskirche ein. Die Michaelskirche in Fulda neben dem Dom wurde im vorromanischen, karolingischem Baustil im Auftrag von Abt Eigil (750- 822, ab 818 4. Abt des Klosters Fulda) in den Jahren 820 bis 822 erbaut. Sie gilt als der älteste Nachbau der Grabeskirche in Deutschland und zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Sakralbauten hier bei uns.

Sie diente als Totenkapelle des 744 gegründeten Klosters Fulda, eines der führenden kulturellen Zentren des frühen Mittelalters und als Grablege ihres Erbauers Eigil. Das Weiheereignisse hielt Hrabanus Maurus (780 – 856, Leiter der Klosterschule und ab 822 Abt des Klosters) in Weihenotizen fest, die Brun Candidus von Fulda (ca. 770 – 845, Mönch im Kloster Fulda) in der Vita Abt Eigils überliefert hat, wo auch die Weihezeremonie detailliert beschrieben ist. Auf dem Gelände des Klosterfriedhofes wurde die Kirche nach dem Vorbild der Grabeskirche zu Jerusalem in den Jahren von 820 bis 822 unter Abt Eigil von Rabanus Maurus konzipiert. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie immer wieder erweitert und ergänzt.

Fotos: Stefan Buß
Fotos: Stefan Buß

Spätestens 1093 wurde eine Nachbildung des Heiligen Grabes mit drei Altären im Obergeschoss eingerichtet, die aber nicht mehr erhalten ist. Im 10. und 11. Jahrhundert fanden nach einer weitgehenden Zerstörung umfangreiche Erneuerungen statt, die Rotunde wurde zur Kreuzform erweitert sowie ein Westturm angebaut. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erhielt der Turm ein Glockengeschoss. 1618 wurde der Turm über der Rotunde erhöht und mit einem kegelförmigen Spitzhelm versehen. In den Jahren 1715 bis 1716 entstand die Rochuskapelle an der Nordseite der Michaelskirche. Für mich ist dieser sakrale Raum schon ein ganz besonderer. Viele Gottesdienste habe ich dort auch mit kleinen Gruppen gefeiert und der Raum an sich fasziniert schon. Zwei Dinge sprechen mich besonders an.

Zum einen die Säule der Krypta. Bereits der Autor Mönch Brun Candidus deutet die Gesamtkonzeption als symbolische Repräsentation der Beziehung Christi und der Kirche. Die Mittelsäule in der Krypta und der Schlussstein seien demnach Symbole für Christus, der den Bau der Kirche begonnen habe und auch vollenden werde, und den Bau auch zusammenhält. Ein zweites spricht mich an, die acht Säulen in der Rotunde der Kirche. Sie sind Symbole der Menschen, die die acht Seligpreisungen der Bergpredigt erfüllen und daher als Stützen der Kirche gelten könnten, die Kreisform versinnbildliche das ewige Leben und die dauerhaften Belohnungen, die die Gläubigen dort erhoffen können. Der Raum an sich spricht schon eine Sprache für sich und die Steine werden lebendig, wenn man die Sprache lesen kann, die sie auch nach 1200 Jahren noch verkünden.

Besuchen Sie diesen besonderen Ort in Fulda und lassen sie sich mit hineinnehmen in das Geheimnis Christi, dass auch heute noch Menschen prägt und beschenkt.

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