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KOMMENTAR: Thema Organspende: Nicht Gesetze, Diskussionen machen Spender!

Transplantation eines menschlichen Leber-Teilstücks. - Foto: APHP-St ANTOINE-GARO/PHANIE/dpa


Donnerstag, 16.01.2020
von JULIUS BÖHM

Der Bundestag hat entschieden: Die Widerspruchslösung bei der Organspende wird es nicht geben. Es bedarf weiterhin der expliziten Zustimmung des Spenders, bevor Organe entnommen werden dürfen und möglicherweise das Leben eines schwerkranken Menschen retten. 

Das Problem der Organspende in Deutschland war nie die Bereitschaft der Deutschen, ihre Organe nach dem Tod zur Verfügung zu stellen: 56 Prozent würden es tun. Diese Entscheidung kund zu tun, sie zu dokumentieren und auch Verwandten und Freunden mitzuteilen, da hapert es. Potenzielle, möglicherweise lebensrettende Spender gingen verloren, Wartende starben.

Ob die Widerspruchslösung nun der richtige Weg gewesen wäre?

Es gibt gute Argumente dafür und auch dagegen. Sicher wäre sie der Anstoß für Millionen Menschen gewesen, sich gezwungenermaßen mit der eigenen Einstellung zur Organspende zu beschäftigen und eine bewusste, selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Und sicher würde sie für mehr Spender und mehr gerettete Leben sorgen. Ich hätte für die Lösung mit Widerspruch gestimmt und doch halte ich per Gesetz erzwungene Selbstbestimmtheit für ein rabiates Mittel. Freiheit bedeutet auch, sich nicht mit dem eigenen Tod beschäftigen zu müssen.

Der Streit hat aber auch Gutes, denn das Thema Organspende stand für Wochen ganz oben auf der Agenda. Überall waren die Zahlen zu lesen: 9.000 Wartende, nur 900 Organe. Es war nicht mehr so leicht, der unangenehmen Frage aus dem Weg zu gehen.

Hoffentlich wurde an vielen Frühstückstischen das Für und Wider diskutiert. Und hoffentlich sind in diesem Zuge viele bewusste und selbstbestimmte Entscheidungen getroffen worden, die dokumentiert sind und womöglich Leben retten. Ganz ohne Gesetzgeber. +++

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